Mittwoch, 10. Mai 2017

Glücksmomente - Benefizfest für mehrfach behindertes Mädchen

Man muss nur mutig sein 
und Ideen entwickeln, um zu helfen

Ein Mädchen aus unserem Dorf ist mehrfach behindert und trauriger Weise ohne Augen zur Welt gekommen. 

Ja, ihr habt leider richtig gelesen, ihr fehlen beide Augen.

Für die Familie wurden im Laufe der Jahre zahlreiche behindertengerechte Umbaumaßnahmen von Nöten, die auch alle finanziert werden mussten. Betroffen von diesen traurigen und bitteren Fakten reiften bei Oliver und mir Überlegungen, wie wir diese Familie unterstützen könnten und bald darauf stand fest, wir organisieren ein Benefizfest für das damals zwölfjährige Mädchen.

Wir begonnen mit den Planungen, begaben uns auf Sponsoren-Suche, sammelten Kuchenspenden und suchten freiwillige Helfer und als Highlight planten wir ein Dunkel-Café.

Ich beriet mich mit meiner Freundin und Ersatz-Mutter Christa (geburtsblind) und mit einem befreundeten Pärchen, Mechtild (blind) und Uwe (stark sehbehindert), wie das ganze am besten gestaltet werden sollte. Die Ideen aus diesem gemeinsamen Brainstorming setzte Oliver dann in mühseliger und langer Arbeit, in einem Kellerraum der alten Schule unseres Dorfes, um. Mühselig deshalb, weil es gar nicht einfach ist, alle Fugen, Ritzen und Schlitze so abzukleben, bis es tatsächlich stockdunkel ist. Mein Mann ist ein Held. Er hat es geschafft.

Oliver baute vor der Tür des verdunkelten Raumes ein Art Vorraum auf, der bereits sehr verdunkelt war, damit sich die Augen der Café-Besucher bereits an die Dunkelheit gewöhnen konnten. In dem Raum positionierten wir vier Tische für je vier Personen und Christa, Mechtild und Uwe stellten sich zur Verfügung, um die Gäste mit Kaffee und Kuchen zu bedienen.

Als der Tag des Benefizfestes näher rückte, waren wir alle sehr aufgeregt. Wir konnten nicht abschätzen, wie viele Gäste wir erwarten durften und wie viel Unterstützung wir von anderen bekämen. Als es dann soweit war, war es einfach nur großartig und überwältigend, wie viele Menschen zu diesem Fest kamen.

Der Andrang vor unserem Dunkel-Café war unglaublich hoch, trotz dass wir vor Betreten des Cafés Uhren und Handys einsammelten, um auszuschließen, dass niemand ein Licht anmachen konnte. Natürlich platzierten wir einen Freund im Café, der passte auf das niemand schummelte. Meine drei Freunde hatten alle Hände voll zu tun.

Die Gäste waren sehr angetan und sie fanden es äußerst spannend im Dunkel Kaffee zu trinken, diesen mit Milch und Zucker anzureichern und Kuchen mit Sahne zu essen. 

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass einige Gäste danach beschmutzte T-Shirts und vollgekleckerten Hosen besaßen. Grins!

Viele der Besucher kamen nachher zu mir. Sie waren berührt und erschrocken zu gleich, wie es ist anfühlt sich in einem dunklen Raum aufzuhalten und zu essen. Genau das wollte ich damit erreichen.

Sie sollten für eine kurze Zeit erleben, wie es sich anfühlt, in einer dunklen Welt zu leben.

Das Fest war also ein voller Erfolg für beide Seiten. Die Gäste erlebten kurzfristig wie sich Blindheit anfühlt und die Familie des Mädchens aus unserem Dorf, konnte mit den vielen freundlichen Spenden den behindertengerechten Umbau des Badezimmers in Angriff nehmen, bei dem Oliver tatkräftig unterstützte.

Wieder einmal hatte ich eine sinnvolle Aufgabe gefunden, um anderen Menschen zu helfen und deshalb zählt dieses Benefizfest zu meinen persönlichen Glücksmomenten.


Eure Kerstin

Anmerkung:

Dieser Beitrag enthält zwei Bilder. Das erste Bild ist eine schwarzweiß Aufnahme. Eine junge Frau liegt auf dem Boden, ihre langen Haare liegen fächerartig auf dem Boden und sie hält sich ihre Augen zu. Das zweite Bild zeigt eine Tasse Kaffee und einen Teller mit einem Stück Torte.

Kommentare:

  1. Das ist eine tolle Idee von euch gewesen.

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    1. Vielen Dank für die lieben Worte. Ja-es war ein tolles Projekt und hat sehr viel Spaß gemacht. Vor allem konnten wir in der Familie helfen. Ganz liebe Grüße…

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  2. Liebe Kerstin,

    über Anja habe ich deinen Blog gefunden und ich freue mich sehr! Es ist ganz wunderbar zu lesen, wie positiv du für deine Umwelt bist und welch Stütze du sein kannst und willst. Die Idee mit der Benefitzveranstaltung war klasse! Ich selbst war in Stuttgart mal vor vielen Jahren bei einem Dunkelessen. Es war eine besondere Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Ich empfehle sie jedem Sehenden. Sich unbeholfen zu fühlen und zu merken, wie blinde Menschen in dieser für uns dunklen Welt ihre Sicherheit zurückgewinnen, war erstaunlich. Ich wünsche mir, dass wir alle gegenseitige Berührungsängste über Bord werfen und aufeinander und mit Interesse zugehen.
    Weiterhin alles Gute für dich und dass du noch viele tolle Projekte in Angriff nehmen wirst.

    Herzlichst, Monerl

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